Archive for the ‘Berichte’ Category

Neues aus Finkenwerder

Sonntag, September 5th, 2010

Da die letzten Neuigkeiten im “Blog”, also dem Vereinstagebuch nun schon etwas angestaubt sind, möchte ich hier etwas von unseren Aktivitäten in Finkenwerder erzählen.

Nach dem erfolgreichen Umzug unseres Flugzeuges vom Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel an unseren neuen Standort im Airbuswerk Hamburg- Finkenwerder, wurde mit dem Aufbau unser Infrastruktur dort begonnen. Der Hallenplatz, der uns von Airbus so großzügig zur Verfügung gestellt wurde, wird ergänzt von einem Containerdorf im Freigelände.

Dieses Containerdorf enthält nun Büro, Werkstatt sowie Lagercontainer. Selbstredend, das so etwas nicht über Nacht fertiggestellt werden konnte. Der lange und harte Winter tat ein übriges dazu, das wir nicht so schnell ans Werk gehen konnten, wie wir uns das alle erhofft hatten. Obwohl noch nicht alle vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sind, füllt sich unser neuer Standort doch zusehends mit Leben. Natürlich wollen wir so schnell es geht mit unser eigentlichen Arbeit am Flugzeug beginnen, jedoch muss erst das “drumherum” stimmen. Und wir hoffen alle, das wir noch im laufenden Jahr die vorbereitenden Arbeiten abschliessen können.

Ich möchte um Verständnis dafür bitten, das diesem Bericht keine Bilder beigefügt sind,  da das Fotografieren auf dem Airbus- Gelände generell starken Einschränkungen unterliegt.  Zu einem späteren Zeitpunkt werden sicherlich auch Fotos unseres Restaurierungsprojektes veröffentlicht werden können, was dann jedoch in enger Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Stellen von Airbus vorbereitet werden wird.

Freundliche Grüße

Christoph Miersch

Häns’chen-klein

Donnerstag, Oktober 1st, 2009

Guten Tag zusammen,

der aufmerksame Leser dieses Tagebuchs mag sich womöglich noch erinnern, wir waren vor einiger Zeit in der glücklichen Lage, uns ein Windkanalmodell des HANSA JET aus der Ausbildungswerkstatt von Airbus ausleihen zu dürfen, um dieses per Lasertechnik scannen zu lassen.

Als wir dieses damals unter großem Aufwand “vom Hallen-Himmel holten” und zum Transport vorbereiteten, fiel auch dem letzten von uns die seltsame Konfiguration dieses Modells auf.

Wie sich schnell ergab, handelte es sich hierbei um ein Windkanalmodel der HFB 330, des nie gebauten FAN JET.

Aber - wann hat man sonst schon mal die Gelegenheit, über ein derart perfekt dimensioniertes Modell verfügen zu können, und so fuhren wir fort mit der Planung.

Mittlerweile wurde das Modell gescannt und nach einiger Zeit auch wieder abgeholt und bei Airbus unter die Hallendecke gehängt.

Und nun wurde es ja Zeit, auch einmal zu schauen, was nun aus diesem Vorgang geworden ist. Und diese Zeit war am 30.09.2009 gekommen, als Wolfgang Borgmann und der Autor bei Firma Möbius erschienen, um mit Herrn Möbius persönlch über die weiteren Schritte zu sprechen.

Was wir dann vorfanden, begeisterte uns vollständig und übertraf unsere Erwartungen bei weitem! Während einiger zwischenzeitlicher Telefonate brachte ich die Idee auf, ein zerlegbares Modell im Maßstab 1:87 zu fertigen, damit man vielleicht einmal den Land-Transport des HANSA JET aus dem Jahr 2007 maßstabsgerecht auf einem HO-LKW nachstellen könnte.

Abgesehen davon, daß die nächsten Modelle (denn hier handelte es sich bekanntlich um einen ersten Entwurf) mit den Koordinaten der HFB 320 vermischt werden, so daß wir eine lupenreine 320 erhalten, war uns auf den ersten Blick klar, wie professionell hier gearbeitet wird.

Aber - schaun´se selbst:

img_2162-450.jpg
Inmitten der heute mitgebrachten Verkuylmodelle steht bereits der Rumpf einer HFB 330 zum Landtransport bereit. Nur noch das Höhenleitwerk müsste man demontieren…

img_2164-450.jpg
…und die Triebwerksgondeln, sonst müssen wir bei 3,80m Breite einen hohen Zuschlag wegen der Überbreite zahlen.

img_2165-450.jpg
Wie im Original als Aluminium, nur montagefreundlich per Steckvorrichtung und nicht mit zahllosen Flächenbolzen mit der Zelle verbunden!

img_2166-450.jpg
Man kann sich schon recht gut vorstellen, wie ein fertiges Modell auf einer “Kesselbrücke” hinter einem roten LKW wirken wird.

img_2171-450.jpg
Hier wird auf den zweiten und vielleicht auch erst dritten Blick deutlich, wo der Unterschied zwischen den Konstruktionen lag:

zunächst Entfall des Verdrängungskörpers am Leitwerk (später wieder eingeführt, da ein späterer Entwurf eine Leitwerksverstellung vorsah), Entfall der Verkleidung an der Seitenleitwerksnase mit fließendem Übergang zum Rumpf, natürlich die Verwendung der Mantelstromtriebwerke und der gestreckter Rumpf auf Höhe Einstieg

img_2172-450.jpg
Ein wunderhübsches Modell - und es ist nur ein erster Entwurf!

img_2174-450.jpg
Neben dem Windkanalmodell ist es wohl das einzig existierende Modell einer HFB330

img_2176-450.jpg
Und so sieht es auf dem Bildschirm aus, wenn die Dimensionen konfiguriert werden.

Bald gibt es hierzu mehr zu berichten, zunächst einmal werden die nächsten Entwürfe abgewartet und dann berichten wir wieder - über den Maßstab 1:87 und über noch viel größere Ergebnisse.

Um es aber gleich vorweg zu sagen, diese Modelle werden unbezahlbar und unverkäuflich sein. Eine Serienproduktion ist auf diesem Wege leider ausgeschlossen.

Fortsetzung folgt!

Maßstabsgerechte Grüße

EG

120 Jahre Erstflug

Donnerstag, September 17th, 2009

In diesen Sommermonaten ist (von vielen unbemerkt) gleich zwei mal “genullt” worden. Naheliegend, daß es sich hierbei um fliegende (bzw. technische) Jubilare drehen muss.

Während der 150. Geburtstag von Hugo Junkers (3. Februar 1859) schon bald wieder verjährt ist, gab es nun ein paar weitere besondere Ereignisse, die jeweils 60 Jahre zurückliegen.

Am 27. Juli 1949 startete zum ersten Mal in der Geschichte der Luftfahrt ein ziviles Verkehrsflugzeug mit Strahlturbinen und läutete damit eine neue Ära in der Fliegerei ein. Noch lange vor der Boeing 707, der DC 8 “und wie sie alle hießen”, stieg der erste Prototyp der de Havilland DH 106 Comet hinauf in den britischen Himmel.

dh106comet-450.jpg

Nach eingehenden Erprobungen nahm im Mai 1952 die British Overseas Airways Corporation (BOAC) als weltweit erste Gesellschaft den Liniendienst mit dem vierstrahligen, 36-sitzigen Tiefdecker auf.

Der Erfolg dieser neuartigen Entwicklung schien garantiert, doch schon bald zerplatzte dieser Traum  im wahrsten Sinne des Wortes.

Zunächst kam es zu Unfällen wegen mangelhafter aerodynamischer Leistung in der Startphase. Nach Behebung dieser Probleme stürzten einige Zeit später mehrere Comet 1 aufgrund von Materialermüdung (als Folge von Fehlern im Fertigungsverfahren) ab. Sie zerplatzten durch den Innendruck in der Kabine in großen Flughöhen nach Bildung von Haarrissen und gingen dabei vollständig zu Bruch.

Verbesserte Varianten, die als Comet Mk. IV in den Varianten Comet 4, 4B und 4C gebaut und verkauft wurden, erwiesen sich schließlich als zuverlässig. Doch der zeitliche Verlust sowie die Rufschädigung, die aus den Unfällen resultierte, konnte durch die Konkurrenten bestens genutzt werden.

113 Exemplare dieses Typs wurden gebaut, darunter auch Versionen, die die britische Marine als Seeaufklärer bis weit in die Zukunft betreiben wird. Diese auf der Comet 4C basierenden Nimrods werden stetig modernisiert und auf dem neuesten Stand gehalten.

Nur noch wenige Exemplare sind von der zivilen Version erhalten geblieben. Auch in Deutschland ist eine Comet 4C ausgestellt, sie ist in der “Flugausstellung Leo Junior” in Hermeskeil/Hunsrück zu besichtigen.

Und die anderen 60 Jahre? Wer ist denn der andere Jubilar?

Er bzw. sie ist weniger schnell, mit zwei Sternmotoren angetrieben und eher militärischen Charakters. Und da sich dieses Fluggerät besonders um den Flugzeugbau in Finkenwerder verdient gemacht hat, werden wir einmal reichlich ausführlicher.

Die Rede ist von der Noratlas des Herstellers Nord Aviation (SNCAN), die am 10. September 1949 zu ihrem Erstflug in Frankreich startete.

Insgesamt wurden von allen Versionen in Frankreich und in Deutschland (HFB) 425 Maschinen gebaut.

Abnehmer waren neben Frankreich und Deutschland auch Israel, Brasilien, Griechenland, die VR Kongo, Niger, Nigeria und Honduras.

Die Luftwaffe setzte die Nora bei den Lufttransportgeschwadern 61, 62 und 63 zum Transport von Material und Soldaten sowie zum Absetzen von Fallschirmjägern ein.  Ebenfalls wurde dieses Flugzeug im Rahmen von humanitären Hilfseinsätzen verwendet.

Für Hamburg ist dieser Flieger aus verschiedenen Perspektiven bedeutend. Hierbei handelt es sich um den ersten Deutschen Neubau eines Flugzeugs in dieser Größenordnung nach dem zweiten Weltkrieg - wenngleich es ein Lizenzbau war. Hinzu kam, daß schon damals eine Deutsch-französische Kooperation gegründet wurde, deren Auswirkungen beim Blick auf Finkenwerder und Toulouse deutlich sichtbar werden. Und nicht zuletzt gründeten sich die handwerklichen Fähigkeiten im Flugzeugbau auf dieser neuen Phase, nachdem in der Nachkriegszeit zunächst alles in Trümmern lag und nach dem 2. WK kaum noch Fachpersonal vorhanden war.

Und was ist heute aus den vielen Noras geworden? Die Mehrzahl wurde verschrottet, einige wenige sind verunfallt, und wiederum andere Maschinen stehen teils sehr traurig, teils bestens restauriert in Ausstellungen und Sammlungen zur Besichtigung frei.


D-ACUT in Hermeskeil

In der oben erwähnten “Flugausstellung Leo Junior” in Hermeskeil ist ein besonderes Exemplar ausgestellt. Es handelt sich dabei um eine Ex-Bundeswehr-Nora, die vom Betreiber “Elbeflug” im Jahr 1970 erworben wurde. Diese Gesellschaft hatte letzten Endes einen Wirtschaftsbetrug in großem Ausmaß als Geschäftsziel. Während man gigantische Gehälter an Eigentümer und Geschäftsführung ausschüttete, wurde der Frachtbetrieb niemals aufgenommen. Die Anleger verloren ihr Geld, während sich die Gesellschafter fürstlich entlohnten.

Insgesamt wurden (neben einigen DC6) 13 Noratlas erworben und zum Teil zu Frachtmaschinen umgebaut. Es wurden noch nicht einmal alle Maschinen umlackiert und keine erhielt jemals die Betriebsgenehmigung für Frachtflüge. Im Jahre 1972 wurde die Gesellschaft für Bankrott erklärt.

Damit ist die Geschichte der Noratlas jedoch noch nicht gänzlich geschrieben.

In Frankreich wurde Mitte der neunziger Jahre die Baunummer 105 von Flugzeugliebhabern flugtauglich restauriert. Sie ist die weltweit einzig flugfähig erhaltene Noratlas! Die Vereinigung “Noratlas de Provence” betreibt dieses Projekt in der Nähe von Marseille auf dem Gelände des Flughafens Marignan und setzt sie von dort aus zu Traditionsfügen und auf Flugveranstaltungen ein.

Erst im Jahr 2007 war sie in Hamburg auf den Airportdays zu bewundern.

Und was macht man mit einem solchen Jubiliar, wenn man schon einmal auf der Ecke ist? Man stattet ihm natürlich einen Besuch ab.

Einen Tag vor dem 60. Jahrestag hatte ich die Gelegenheit, die Nora in ihrem Nest zu besuchen und einmal die Umstände kennen zu lernen, unter denen am Mittelmeer dieses Flugzeug am Leben gehalten wird.

Herzlich empfangen von Gerard Marcheal wurde ich zum Flugzeug begleitet, das bereits von aussen durch den Zaun des Flughafengeländes zu sehen war. Natürlich an das Gute auf diesem Planeten glaubend dachte ich daran, man hätte sie aufgrund der häufigen Einsätze in diesen Tagen schon mal vor die Tore geschoben. Doch leider weit gefehlt - denn die Nora hat unerwartet ihren warmen und schützenden Hallenplatz verloren. Im Frühjahr dieses Jahres wurde die Gesellschaft aufgefordert, den Hangar zu räumen, da die Baufälligkeit dieses Gebäudes eine sichere Nutzung nicht mehr zuließe.

Und nun steht sie zusammen mit allen Bodengeräten, Containern, und Gerüsten etwa 500 Meter entfernt von der salzigen Mittelmeerbrandung. Suboptimal!

Gegenwärtig ist man bemüht, Sponsoren für die Wiederherstellung der Bausicherheit des Bauwerkes zu gewinnen, damit die Nora schnellstmöglich wieder geschützt untergebracht werden kann. Gedanklich fiebern wir mit - wissen wir doch, wie es ist, wenn man mit seinem Flugzeug immer irgendwie mit einem Fuß vor der Tür steht.

Gerard gewährte Zutritt zum Flugzeug und - was soll man sagen, dieses Ungetüm hat ohne Getümmel auf einem Flugtag, dafür aber in der sengenden carmarguaisischen Sonne und in Ruhe und einer gewissen Einsamkeit eine ganz besondere Wirkung und Ausstrahlung.

Und wenn bei einem gemeinsamen Gespräch im Cockpit ein ehemaliger Noratlas-Pilot (Gerard flog 7 Jahre lang eine Noratlas) davon berichtet, wie er Fallschirmjäger in Algerien absetzte und in dieser Zeit viele Flüge in der Wüste durchführte, dann wird Geschichte lebendig.

Hier folgen nun ein paar Aufnahmen aus dem September 2009 anlässlich des Besuchs in der Provence:


Der Flughafen nahe der Stadt Marseille


Nora und ihr bisheriges Nest - die nun baufällige Halle


schöne Farben - schönes Leitwerk


die markante grüne Nase


Nora, das Wüstenschiff


Die 105 ist schon reichlich über 50 Jahre alt


Schutzhauben über dem Hauptfahrwerk


Die Halle im Hintergrund scheint ihre Flügel auszubreiten


Ein einmaliger Anblick


Einen Tag nach der Besichtigung ging Nora wieder auf Tour…


…Luftlinie ca 10 km!


Typenschildgalerie der alten Dame


Schöne Aussicht


Was für ein Arbeitsplatz…


…noch ganz ohne Bildschirme!


Gerard berichtet aus alten Zeiten


Der Arbeitsplatz des Funkers - noch mit Morsetaste


“Kofferraum”


Bodengeräte mit eindeutiger Markierung


Mit allem, was dazugehört sitzt man nun im Freien


In Containern lagern die Ersatzteile, in Bürocontainern arbeitet man so gut es geht.


Und es geht gut! Gerard bei der Arbeit im Container-HQ


Eindeutige Belege für die innige Freundschaft zwischen unserem LTG 63 und der Nora-Truppe


Diese Nora kennen wir doch - es ist die Maschine, die auf dem Gelände der Hugo Junkers Kaserne in Hohn (LTG 63) abgestellt ist. Auch hierüber haben wir schon berichtet und an ihr schon restaurierende Hände angelegt.


Noch ein seltenes Relikt aus alten Zeiten, eine Dassault Mercure


Doch sie hat es leider schon hinter sich…


…genau wie diese Caravelle, die der Feuerwehr als Übungsgerät dient.


Nora im Spiegelbild der gesperrten Halle


Nicht gut

Vielen Dank, Gerard für diese Einblicke und bis bald - in Hamburg, oder Marseille oder wo auch immer eine ausreichend lange Piste zur Verfügung steht…

Und eines Tages fliegen wir vielleicht einmal Seite an Seite…

EG

Nachtrag von Christoph:

Die Geschichte der Comet / Nimrod ist aber noch nicht zuende - es werden noch neue gebaut, und zwar die Nimrod MRA.4 !

Kennungen der MRA4:

ZJ514 ex XV251 c/n PA-04
ZJ515 ex XV258 c/n PA-05
ZJ516 ex XV247 c/n PA-01
ZJ517 ex XV242 c/n PA-03
ZJ518 ex XV234 c/n PA-02
ZJ519 ex XV284 c/n PA-06
ZJ520 ex XV233 c/n PA-07
ZJ521 ex XV227 c/n PA-08
ZJ522 ex XV245 c/n PA-09
ZJ523 ex XV228 c/n PA-10
ZJ524 ex XV243 c/n PA-11
ZJ525 ex XV246 c/n PA-12

Zwar sollten das ursprünglich 21 Neubauten werden, die eigentlich auch schon lange im Einsatz hätten stehen sollen - und auch nicht 5.5 Milliarden kosten sollen :-O

Andererseits ist es schön, einen Klassiker der Luftfahrt weiterhin in der Luft zu wissen!

Damit gehört dieses Flugzeug in seiner Art zu den längsten, in Produktion befindlichen Flugzeugmustern.

Der Blick in den Rückspiegel…

Samstag, August 1st, 2009

… oder - was war in den letzten Wochen mit dem Verein los !?!

Nun, dem einen oder anderen Leser wird es aufgefallen sein, es herrschte ein wenig Ruhe im Logbuch - die sonst so lebhafte Seite hielt sich etwas zurück mit ständigen Wortmeldungen zu aktuellen Themen sowie zum Hauptthema HANSA JET.

Der Grund dafür war und ist, daß es im Hintergrund unglaublich viel zu bewegen gab, nicht nur zu unserem Kernthema, sondern gelegentlich auch einmal “auf ganz anderen Baustellen”.

Dabei verlief das erste Halbjahr alles andere als still und leise. Und deshalb gibt es nun auch eine kleine Zusammenfassung zu dem, was bisher die Gemüter bewegt hat.

Das Jahr fing alles andere als zufriedenstellend an, als das ehemalige Hamburger Kreuzfahrtschiff, die damalige TS HAMBURG und spätere MAXIM GORKIY trotz intensiver Vorbereitungen statt als Museumsschiff in Hamburg nun als Schrotthaufen in Indien enden musste.

Dabei hätte dieses traditionsreiche Schiff eine wunderschöne Attraktion auf dem diesjährigen Hafengeburtstag abgegeben. Diese Rolle übernahmen dann aber nicht nur die anderen Traditionsschiffe, sondern vor allem die “Patrouille de Suisse”aus dem diesjährigen Partnerland dieser Veranstaltung, der Schweiz. Diese Kunstflugformation übernahm im engsten Sinne denn auch die Rolle, denn selbige wurde in atemberaubender Manier über Hamburgs Hafen mehrfach geflogen. Dabei war es nicht nur die optische Wirkung, die uns Hamburgern den Atem verschlug, es war auch die Akustik, die durch Mark und Bein ging. Während meine Zeilen durchaus anerkennend und positiv gemeint sind, schlug dieser Darbietung in einigen wenigen Teilen der Bevölkerung auch Ablehnung entgegen.

An den Krieg fühlte man sich erinnert (F5 über Hamburg im Krieg?), Lärm und Umweltverschmutzung (und was passiert in Fuhlsbüttel jeden Tag - und warum dürfen dann noch alte Schiffe in Hamburgs Hafen qualmen?).

Viele - und so auch der Autor - waren begeistert und denken gern an diese Vorführung zurück.

Apropos Vorführung: unser Verein war ja nun auch nicht untätig - und so berichten wir zunächst einmal über die Öffentlichkeitsarbeit. Auch in diesem Jahr waren wir wieder auf der AIX (Aircraft Interior Expo) vertreten und ernteten immer mehr Beistand. Dieser ist beispielsweise dafür wichtig, unsere Triebwerke in den nächsten Wochen zwecks Instandsetzung fachgerecht zu verpacken und in die USA zu versenden. Darüber wird dann aber wieder in alter Manier ausführlich berichtet.

Nicht nur in Hamburg waren wir vertreten, auch in Berlin durften wir uns dieses Jahr auf dem Parlamentarischen Abend zeigen. Stellt sich der Leser nun die Frage, was wir auf diesen vielen Veranstaltungen denn wollen, ausser einen guten Eindruck zu machen, so ist eines ganz deutlich hervorzuheben: Ohne die richtigen Kontakte hat es unser Projekt sehr schwer. Erst durch die richtige Förderung können wir den steinigen Weg gehen, den HANSA JET wieder flugfähig zu restaurieren. Und diese Lobbyarbeit ist dabei ein ganz wichtiger Schritt. Lob und Anerkennung auf der einen Seite, aktive Zusage von Hilfe und Unterstützung auf der Anderen Seite ebnen uns erst den Weg.

Weg: da war doch noch ´was… Auf dem Rückweg von Berlin nach Hamburg legten wir einen kleinen Zwischenstopp am Luftwaffenmuseum in Berlin Gatow ein. Dort stehen zwei HANSA JET in mehr oder minder gutem Erhaltungszustand als Exponate im Freien. Dem Museum ist bezüglich des Zustands kein Vorwurf zu machen, denn der Hallenplatz ist nun einmal stark begrenzt. Und unter freiem Himmel wird vieles nun einmal nicht unbedingt besser. Abhilfe schafft hier eine Absprache zwischen unserem Verein und den Verantwortlichen des Museums, sich zukünftig gegenseitig zu unterstützen. Sobald die beiden HANSA JET, ein ECM-Flieger und eine VIP-Maschine, in die Restaurierung geraten, stehen wir gern helfend zur Verfügung.

Und damit wir nicht aus der Übung geraten (bei einigen hauptberuflichen Schraubern aus unseren Reihen auch nur schwerlich möglich), gibt es ja auch noch ein anderes Patenkind, dem wir unter die müden Flügel greifen. Die in Hohn abgestellte Noratlas (Kasernengelände - Alt Duvenstedt) steht nun schon seit langer Zeit etwas traurig am Haupteingang und sammelt Wassermassen. Um diese Maschine verdientermaßen zu erhalten, sind einige kosmetische Eingriffe erforderlich. Der Startschuss für diese Maßnahmen fiel ebenfalls in diesem Frühjahr.

Und wo hat bei diesen vielen Vorhaben nun noch der HANSA JET seinen Platz?

Unser Flugzeug steht ganz klar an erster Stelle - und daher nehmen wir jede Gelegenheit war, die Restaurierung vorzubereiten. Das fängt mit der Öffentlichkeitsarbeit an, geht mit der Beschaffung von Ersatzteilen weiter und endet damit, sich intensiv auf die tatsächliche Arbeit vorzubereiten. Dazu gehört auch das Thema “Umzug”, was ebenfalls separat behandelt wird.

Ach ja, Umzug: in umzugkartonartigen Behältnissen sind bekanntlich unsere Zeichnungssätze untergebracht, die derzeit von einigen Helfern durchforstet werden. Die Akten sind soweit erfasst und stehen in unserem temporären Verzeichnis (unser Behelfsbüro) übersichtlich und geordnet bereit.

Bereit stehen auch einige von uns, weitere Ersatzteile herbeizuholen, die uns vor einiger Zeit angeboten wurden.

Man sieht also, wir stehen nicht still, auch wenn es zwischenzeitlich einmal stiller um uns wird.

Zu guter letzt möchte ich aber noch ein Ereignis erwähnen, bei dem uns ein hübsches Stück HANSA JET übereignet wurde. Es handelt sich dabei um eine Plakette, die im eigentlichen Leben das Steuerhorn mittig ziert. Und genau eine solche Plakette ist uns von einem netten Menschen übereignet worden - wir können Sie in jedem Fall gebrauchen und halten sie in Ehren, bis sie vielleicht eines Tages einmal fliegen lernt.

plaketteuebergabe-450.JPG

Und damit verbleiben wir erst einmal bis zur nächsten Zwischenmeldung. Diese wird nicht lange auf sich warten lassen, denn in diesem Jahr haben wir noch viel vor!

In diesem Sinne

E.

Vereinstreffen MIT Flugzeug

Montag, September 15th, 2008

Am Sonntag, den 14. September ergab sich für uns die einmalige Gelegenheit, unsere Vereinsmitglieder zu Kaffee und Kuchen einzuladen - und zwar direkt am Flughafen im Café Himmelsschreiber mit unserem Flieger im Hintergrund…

100_8625-450.JPG

kif_9988-600.JPG

Schon tags zuvor war unser HANSA JET im Rahmen der Veranstaltung “Musik & Technik” zu bestaunen (siehe vorhergehenden Bericht!) und wurde zu diesem Anlass bereits am Samstag aus seinem Lagerort auf der Seite des Flughafens hinüber zur Lufthansa Technik geschleppt.

Und da bot es sich doch an, auf dem Rückweg quasi eine Zwischenlandung einzulegen und die WN 1025 gut sichtbar hinter dem Zaun auf Höhe des “Café Himmelsschreiber” zu positionieren.

Trotz des nicht mehr ganz so sommerlichen Wetters füllten sich rasch die Plätze, der Bestand an Kaffee und Kuchen nahm indes rapide ab!

100_8613-450.JPG

100_8610-450.JPG

In kleinen Gruppen war es Nils Borkheim und Christoph Miersch möglich, interessierte Gäste zum Flieger zu führen und eine kurze Besichtigung auf dem Vorfeld zu ermöglichen.

Mitunter war seitens einiger weniger, übriger Café-Gäste ein knurren zu hören, man würde ja gar nicht den kommerziellen Flugbetrieb des Flughafens verfolgen können, da sich unser Rumpf genau im Sichtfeld befinde.

100_8634-450.JPG

kif_9955-600.JPG

Die Mehrheit der luftfahrtbegeisterten Zaungäste war angesichts der Seltenheit eines solchen Ereignisses und vor allem der Seltenheit des HANSA JET jedoch sehr angetan von unserem kurzen Auftritt.

100_8624-450.JPG

Dieser war in der Tat nicht sehr ausdauernd, denn gegen 16:00 Uhr setzten leichte Schauer ein, die erstens unsere Gäste in die Räumlichkeiten des Cafés vertrieben und zweitens unserem Flieger nicht gut hätten bekommen können.

Daher entschieden wir uns dazu, den Rumpf kurzfristig wieder zu seinem Hallenplatz zu ziehen und dieses gemütliche Beisammensein ohne unseren HANSA JET gemütlich ausklingen zu lassen.

Solche Veranstaltungen sind leider nur sehr selten zu ermöglichen, da eine ganze Reihe von Vorbereitungen zu treffen sind.

Auch das Wetter spielt immer eine Rolle! Seit dem sämtliche Flächen sowie beide Triebwerksgondeln demontiert sind, liegen verschiedene Strukturbereiche ungeschützt frei.

Hierbei müssen wir nicht weiter erwähnen, daß diesen Zonen der Kontakt mit Wasser nicht unbedingt guttut.

Eine Wiederholung ist bereits beschlossene Sache, jedoch ist dieses wie bereits erwähnt eine Frage des Wetters und der in Kürze beginnenden Restaurationsarbeiten.

Beste Grüße

EG

Musik & Technik, Lufthansa Werft Hamburg

Sonntag, September 14th, 2008

Moin moin,

Auf Einladung der Lufthansa Technik, war unser HANSA JET gestern zu Gast bei der Veranstaltung “Musik und Technik”, in Halle 7 der Lufthansa Werft in Hamburg.

Bericht im Hamburger Abendblatt

Stiftung Phönikks

Dank der freundlichen und unbürokratischen Unterstützung aller beteiligten Stellen konnten wir unsere HFB 320 von ihrem vorläufigen Hallenplatz auf dem Gelände des Hamburger Flughafens auf das Lufthansa Werftgelände umschleppen. Gegen 13:15 Uhr, stand unser Flieger dann fertig eingehallt auf seiner zugewiesenen Position.

Obwohl die Veranstaltung erst um 18:00 Uhr beginnen sollte, war unser Flieger schnell von Interessierten umlagert, die eigentlich selbst noch mit Vorbereitungen für die Veranstaltung befasst waren.

In zahllosen Gesprächen und Führungen konnten wir die Geschichte sowie die geplante zukünftige Verwendung unseres HANSA JET den Anwesenden vermitteln. Oft hörten wir Kommentare wie “ich habe damals beim Hamburger Flugzeugbau gelernt” oder “den HANSA JET haben wir früher vom Elbufer aus beim Starten beobachtet”.

Da die meisten Besucher noch nie einen HANSA JET von innen gesehen hatten, nahmen sie unsere Einladung gerne an, das Flugzeug zu besichtigen und im betagten, jedoch sehr bequemen Interieur Platz zu nehmen.

Die ausgesprochene Freundlichkeit unserer Gäste sowie der positive Zuspruch für unser Vorhaben war ein schöner Lohn für den geleisteten Arbeitseinsatz.

C.M.

_________

Hier nun ein paar Bilder von der Veranstaltung - mit freundlicher Genehmigung durch die Presseabteilung der Lufthansa Technik Hamburg.

klein-2008-09-13-1308-hfb-320-1608-schleppgespann-retuschiert.jpg

img_2495-450.JPG

img_2507-450.JPG

img_2496-450.JPG

In diesen Tagen…

Sonntag, September 7th, 2008

…feiert eine alte Dame ihr 59. Erstflugjubiläum.

Die Nord 2500 hob am 10.09.1949 erstmalig ab. Ihr folgten insgesamt 425 Maschinen, die u.a. auch in Hamburg-Finkenwerder gebaut wurden.

Nun wollte es die Urlaubsplanung des Schriftführers so, daß er zu genau dieser Zeit in der Nähe von Marseille in der schönen Camargue die Ruhe genießt und zum Wochenende hin einen Abstecher zur letzten, flugfähig erhaltenen Noratlas in Marseille plante.

Doch es sollte nicht sein, denn in diesen Tagen befindet sich die No. 105 leider in Paris.

Mehr zu dieser Noratlas:  hier

Dennoch gibt es von hier aus neben herrlichen durchschnittlichen 27°C auch noch etwas in Sachen HANSA JET zu berichten:

Wie schon im ECM-Blog gemeldet, ist nun auch der militärische HANSA JET als Kaffeebechermotiv erhältlich.

Die Konditionen sind identisch zum bisher erhältlichen HANSA JET Becher.

entwurf-0-9-gr1-450.jpg

Zu bestellen ist der Becher mit diesem Motiv unter info ätt hansajet.de

Darüber hinaus halte ich das erste Exemplar unseres Buches in meinen Händen und muss leider feststellen, daß nicht nur dem Autor ein paar kleine Fehler unterlaufen sind.  Auch die Druckerei hat in der Zuweisung mehrerer Dateien nicht das korrekte Format gewählt.

Aber zu einer solchen Prüfung sind Prototypen schließlich da, so daß die korrigierte Fassung gegen Ende September erhältlich sein wird.

Wir halten Sie auf dem Laufenden, sobald es hierzu Neuigkeiten gibt.

Schöne Grüße aus dem Land der Baguettes und Croissants

EG

Das Sommerloch…

Mittwoch, August 27th, 2008

…scheint sich langsam wieder mit Urlaubs-Heimkehrern zu füllen.

Die einen zog es nach Skandinavien auf Spuren der nordischen Fliegerei (und vielleicht auch deren Stewardessen ;) ), die anderen erkundeten die nahe Umgebung und versuchten, auch einmal in heimischen Gefilden abschalten zu können.

Dennoch - so ganz stand unser Rad auch nicht still.

Hier nun eine kleine Zusammenfassung der letzten Wochen…

Man wird sich womöglich erinnern:

Dank der Firma Möbius und einiger netter Mitarbeiter von Airbus sind wir zumindest vorübergehend des Windkanalmodells habhaft geworden, das an der Hallendecke der Lehrwerkstatt zum Staubfangen eingesetzt war.

Wir durften uns dieses Modell (leider nur) ausleihen und von der Firma Möbius scannen lassen, damit ein digitales Abbild geschaffen werden konnte.

Dieses ist zwischenzeitlich geschehen, so daß der etwas kleinere HANSA JET nun wieder heimkehren durfte. Den Rücktransport führte Jan-Philipp mit einem Europcar-7,5-Tonner durch.

Dank der mitgeführten Kamera konnten diese Momente festgehalten werden. Hier wird auch deutlich, warum wir ein solches Fahrzeug benötigten. Zwar sieht man nicht das Gewicht von reichlichen geschätzten 90 KG, jedoch bietet kein anderer Transporter die nötige Innenbreite.

JP sei Dank, die fehlenden Spanngurte organisierte er “noch mal eben kurz” in einem Baumarkt, damit war das gute Stück dann auch gut gesichert für die Strecke von Barsbüttel nach Finkenwerder.

Und nun?

Nun sind wir in der Lage, perfekte Nachbildungen dieses Modells frei skallierbar nachfertigen zu lassen.

Der Rücktransport:

hansajet-003-450-2.jpg

hansajet-004-450.jpg

hansajet-005-450.jpg

hansajet-006-450.jpg

hansajet-008-450.jpg

hansajet-013-450.jpg

Man beachte die Ausführung der Triebwerke - hier wurde offensichtlich bereits auf Mantelstromtriebwerke umgerüstet - eine Motorisierung, die der HFB 320 in der Serie verwehrt blieb. Einzig die Firma “Grand Aire” flog testweise einen HANSA JET mit 2 CF700.

Wir sind schon froh, wenn wir zwei grundüberholte CJ610 irgendwann einsetzen können.

Auch beachte man die Palette unter dem Modell. Diese Europalette wird mit ihren etwa 120 x 80 Zentimetern deutlich vom HANSA JET überragt - ein weiteres Indiz für die Größe dieser Leihgabe!

Was geschah noch?

Unser erstes kleines Fotobuch ist derweil in Produktion und wird die nächsten Tage im Briefkasten erwartet. Im Format A4 mit ca. 60 Seiten beschreibt es in Wort und Bild den steinigen Weg bis hier und heute.

buchdeckel01-450.jpg
Der Buchdeckel

 

apd-450.jpg
Eine der vielen Buchseiten - Thema hier: die AirportDays 2007

Interesse? Lassen Sie sich schon einmal unverbindlich vormerken - unter der E-Mailadresse buch@hansajet.de mit dem Begriff “buch” in der Betreffzeile ist dieses möglich. Sobald wir über Lieferzeiten und schlussendliche Kosten bescheid wissen, sagen wir Ihnen bescheid.

Hier!

Alles Gute

EG

Ein Opfer der Bürokratie…

Montag, Juli 21st, 2008

Der Flughafen Tempelhof soll nach einer am 18. April 2008 eingereichten Petition lebendiges UNESCO Weltkulturerbe werden.

www.tempelhof-weltkulturerbe.de

Damit versucht eine private Initative engagierter Berliner Bürger, sich gegen die eigentlich längst beschlossene Schließung des Flughafens einzusetzen. Die Zielsetzung schließt ausdrücklich die Offenhaltung für den Luftverkehr ein.

Die Bedeutung dieses Flugplatzes dürfte auch weniger an Luftfahrt interessierten Menschen ein Begriff sein. Dieser Ort ist einer der Brückenköpfe der Berliner Luftbrücke, in der die Bevölkerung West-Berlins aus der Luft durch die Westalliierten im Zeitraum vom 23. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 während der Berlin-Blockade durch die sowjetische Besatzung versorgt wurde.

Vor allem aufgrund dieses geschichtlichen Hintergrundes ist dieser Ort in seiner vollen Größe und Funktion zu bewahren.

thf_luftbrueckendenkmal-450.jpg
Das Luftbrückendenkmal am Flughafen Tempelhof

“…Der Flughafen Tempelhof ist ein Geschenk der Geschichte an alle Berliner. Dieses Juwel gilt es sinnvoll zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten…”, so die Initiative.

…und so fordern wir die zuständigen Institutionen des Landes Berlin, der Deutschen Bundesländer und des Bundes auf, den Flughafen Berlin-Tempelhof als einmaliges kulturhistorisches Denkmal in seinem heutigen, funktionierenden Zustand zu bewahren und dem UNESCO Welterbekommitee zur Aufnahme in die Welterbeliste der Menschheit vorzulegen…” heist es weiter.

Das Ende von Tempelhof wurde bereits im Jahr 1996 durch den sogenannten “Konsensbeschluss“ eingeläutet - damals einigten sich Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) auf den Neubau eines Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI), in dessen Folge auch die Schließung der innerstädtischen Flughäfen Tempelhof und Tegel vereinbart wurde.

Nach verschiedentlichem juristischen Tauziehen mit den betreffenden Fluggesellschaften um die Einstellung des Flugbetriebs - zuletzt vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin - griff der Berliner Senat einen vorgeschlagenen Vergleich des OVG auf und erlies den Bescheid zum Widerruf der Betriebserlaubnis für den Flughafen Tempelhof zum 31. Oktober 2008.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sowie auch das Bundesverwaltungsgericht bestätigten schließlich die Entscheidung.

Die Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof e.V. strebte durch eine Unterschriftensammlung einen Volksentscheid an, um die Schließung des Flughafens doch noch zu verhindern. Dieser fand am 27. April 2008 statt.

Er wurde jedoch abgelehnt, da bei einer Wahlbeteiligung von 36,1 % zwar 60,1 % der Teilnehmer dafür stimmten, jedoch bezogen auf alle Wahlberechtigten sich damit nur eine Zustimmung von 21,7 % ergab (notwendig wäre ein Viertel der Abstimmungsberechtigten gewesen).

Der Flughafen Tempelhof steht jedoch wie kaum ein anderes Bauwerk für die jüngere Geschichte Berlins, Deutschlands und der Welt.

Die Aufgabe des Tempelhofer Flughafens wegen möglicher juristischer Risiken für den Großflughafen BBI steht in keinem Verhältnis zum historischen Verlust“, so ein Sprecher der Initiative. “Ohne Tempelhof wäre die Weltgeschichte anders verlaufen. Das Thema gehört auf die Tagesordnung des Bundes, und der UNESCO“.

Daher verweisen wir an dieser Stelle gern auf die Internetseite der Initiative:

www.tempelhof-weltkulturerbe.de

Sollten Sie sich für eine Unterzeichnung der Liste entscheiden, werden Sie womöglich viele bekannte Namen wiederfinden - auch aus unserem Verein.

Wieviel dieser Schutz wert ist, sieht man aber an Dresden - siehe Waldschlösschenbrücke… Demnach wird es die verantwortlichen Herrschaften wohl kaum interessieren, was engagierte Bürger umzusetzen zu hoffen

EG

_______________________________________________________

PS.:

Und was soll nach Meinung des Berliner Senates aus Tempelhof werden?

Die Berliner Senatsverwaltung hat im März 2008 das städtebauliche Projekt Tempelhofer Freiheit vorgestellt. Darin ist die Einrichtung des Tempelhof Forum THF für Kultur-, Medien- und Kreativwirtschaft im ehemaligen Flughafengebäude vorgesehen. Darüber hinaus sollen am Rand des jetzigen Flugfeldes neue Wohnanlagen errichtet werden.

Dazwischen soll die unbebaute Grünfläche als Parklandschaft erschlossen werden.

Welch blühende Landschaften…

Hamburg im Mai

Dienstag, Mai 13th, 2008

Diese Stadt steht nicht still, wenn ein Fest das nächste jagt, die Feiertage uns ein langes Wochenende beschehren und das Wetter so phantastisch mitspielt wie in diesen Tagen.

Anlässlich des Hafengeburtstages waren auch einige von uns auf den Beinen und konnten das Spektakel aus der Luft betrachten.

Auf dem Weg von Appen/Uetersen nach Hamburg an Bord einer Do 28 der “Reservistenkameradschaft-Flugdienst” aus dem Jahr 1973 gab es viel zu sehen - nicht nur vom Hafenfest und den dort liegenden Schiffen.

Bilder sprechen manchmal mehr als Worte - hier also eine kleine Auswahl der Ausbeute:

kif_7523-450.JPG
Die Do27 und eine Do28 des “RK-Flugdienst”

kif_7686-450.JPG
Hamburg und das Hafenfest von oben

kif_7702-450.JPG
Kreuzfahrer in Dock 17, gegenüber Rahsegler und andere maritime Gäste

kif_7733-450-2.JPG
U. a. Cap San Diego und die Mir - Auslastung bis zum Anschlag

kif_7762-450.JPG
So wird heutzutage im Hafen Geld verdient

kif_7778-450.JPG
Normaler Weise sieht man Ballons nur über sich…

kif_7653-450.JPG
Mittlerweile zu einer gewaltigen Piste gewachsen - Finkenwerder

kif_7650-450.JPG
Ja und wen haben wir denn da? Die S1 und der Guppy..

kif_7797-450.JPG
…in bester Gesellschaft mit den Emiraten.

kif_7717-450.JPG
Ein Blick gen Sonnenuntergang

kif_7843-450.JPG
Diese 380 PS (mal 2) sorgten für einen sehr eindrucksvollen Klang und brachten uns sicher zurück auf den Erdboden

Die Eindrücke werden noch lange vorhalten.

Demnächst werden wir den RK-Flugdienst einmal genauer vorstellen und einen Einblick in die Gruppe gewähren, die die letzten zwei in Deutschland zugelassenen Do 28 am Leben erhält.

Wer sich vorab einmal informieren möchte, dem sei hiermit die Internetseite www.rk-flugdienst.de empfohlen!

Schöne Grüße aus Hamburg

EG

PS.: Es ist im Übrigen sehr angenehm zu sehen, daß den Werbestrategen des Hafengeburtstages bei Bezeichnungen wie z.B. “Open Ship“, “Fast Roping” und “Come Together” nicht zwangsläufig auch “Harbour-Days” oder ein ähnlicher Blödsinn als Ersatz für “Hafengeburtstag” in den Sinn gekommen ist.

Der blanke Hohn ->

Montag, April 21st, 2008

…ist manchmal eine Reise wert!

In diesem Fall berichten wir über eine Reise zur Hugo-Junkers-Kaserne in “Alt Duvenstedt” bzw. den Flugplatz in der Ortschaft Hohn in der Nähe von Rendsburg - zum dort ansässigen LTG 63.

Und wenn “einer (wie wir) eine Reise tut”, dann mit dem Hintergedanken, etwas Aeronautisches in Augenschein zu nehmen und vielleicht auch alte Kontakte zu pflegen.

Und so erging es WoGri und Christoph, die bei dem LTG 63 “dienten” und in diesem Rahmen einen Besuch organisierten.

In einer kleinen Runde (sechs Mann im Alter zwischen 5 (!) und 75 Jahren) machten wir uns am 19.04. auf den Weg zur Hugo Junkers Kaserne, und wurden dort von Herrn Leistner herzlich empfangen.

hohn-sat.jpg
Suchbild - zwei fliegende Legenden stehen auf diesem Kasernengelände

Wir in Hamburg kennen diese Eindrücke ja schon, wenn eine Ju52 über unseren Köpfen ihre Runden dreht. Das Exemplar an diesem Standort ist jedoch schon lange “ganz leise”.

kif_7345-450.JPG
Sie wurde im Jahr 1939 gebaut und diente zuletzt der portugiesischen Luftwaffe

kif_7347-450.JPG

Im Jahr 1971 wurde sie der Luftwaffe geschenkt und mit Hilfe zweier Transall in demontiertem Zustand nach Hohn geflogen.

Seit dem steht sie unter freiem Himmel und wird von der dortigen Traditionsgemeinschaft künstlich beatmet. Sehr schön restauriert sind inzwischen die Motore, auch die Zelle ist äusserlich noch schön anzuschauen. Allerdings sind die Bodenplatten recht morsch, was die Besichtigung von innen leider unmöglich machte.

Und auch Sturmböen machen um historische Dinge keinen Bogen. Als Folge eines schweren Sturmes fand man eines morgens das Seitenleitwerk der Ju52 neben dem Rumpf vor. Es war schlichtweg abgerissen und lag nun im Gras.

kif_7358-450.JPG
Derzeit wird das Leitwerk restauriert und bald wieder montiert

Sehr eindrucksvoll, diesen alten Vogel aus der Nähe zu bewundern, da in diesem Wellblech ungeschönt die Spuren der letzten knapp 70 Jahre zu erkennen sind.

kif_7351-450.JPG

Aber das war noch nicht alles.

10 Jahre nach dem Bau dieser Ju52 erblickte ein weiteres Ausstellungsstück das Licht der Welt: eine Noratlas, die 1949 zu Ihrem Erstflug startete.

Sie wurde nach Ihrer Ausserdienststellung vom LTG 61 an das LTG 63 übergeben und ist seitdem in der Nähe der Wache zu bewundern.

kif_7374-450.JPG

19042008142-450.jpg

19042008144-450.jpg

19042008143-450.jpg

Aber auch hier nagt der Zahn der Zeit sowie die Gewalten der Natur. Die Gemeinschaft hat alle Hände voll zu tun, dieses Ausstellungsstück bei Laune zu halten.

Feierabend und Heimreise? Nein - weit gefehlt.

Nach einem Abstecher in den Museumsraum der Hugo Junkers Kaserne, wo die Geschichte dieses Geschwarders eindrucksvoll mit Fotowänden, Modellen, Uniformen und allerlei Erklärungen dargestellt wurde, ging es weiter in Richtung Flugplatz.

Eindrücke aus dem Museum:

19042008134-450.jpg
Herr Leistner schildert das Abwerfen von Ladungen aus der Transall

19042008135-450.jpg
Die Transall im Rahmen der humanitären Einsätze

19042008138-450.jpg
Kennung in Landessprache

19042008136-450.jpg
Presseberichte über die unzähligen Flüge im Rahmen von humanitären Einsätzen bei Hungerkatastrophen.

Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, mit den beiden Herren am Flugplatz sowie mit den dort abgestellten Fliegern. Bei einem sehr nett gestaltenen Rundgang konnten zwei Transall und eine UH1D besichtigt werden - in allen Einzelheiten wurden unsere Fragen beantwortet - vor allem aber war es interessant, die Flieger in verschiedenen Zerlegungszuständen zu sehen, denn viele technische Details sind normalerweise überhaupt nicht erkennbar.

Leider ist es aus nachvollziehbaren Gründen uns leider nicht möglich, die Aufnahmen aus diesen Bereichen an dieser Stelle zu zeigen.

Ein rundum gelungener Besuch, der bestimmt wiederholt wird. Wir bedanken uns sehr für die Gastfreundschaft und hoffen sehr, unsere Gastgeber auch einmal in Hamburg empfangen zu können.

Vielleicht war dieser Tag auch eine Art Auftakt für weitere Unternehmungen in dieser Form - denn es ist sehr schon schön zu erfahren, auf wieviel Interesse unser Projekt gestoßen ist.

Bis bald vielleicht!

EG

PS.:

Unser Beitrag zur Nachwuchsförderung :o)
19042008145-450.jpg

 

Lager Lager Du musst wandern… Aber wohin?

Freitag, April 18th, 2008

Moin Moin,

 ja diese Frage haben wir uns alle gestellt… Bis jemand auf die Idee kam, die Herrschaften der Firma Secur Lagerraüme in der Alsterkrugchaussee anzusprechen!

Gesagt, getan: Ein Anruf und der Termin mit dem leitenden Geschäftsführer Herrn Christian Lohmann war gemacht. Das war heute morgen. Meiner einer mit einem nettem zweiseitigen Schreiben über die Arbeit des Vereins und was ein Lagerraum in seinem Hause für Vorteile für uns bieten würde in der Tasche vor Ort…

Dann der für mich persönlich absolute Wahnsinn: Herr Lohmann hat uns direkt vor Ort die Zusage gegeben, dass wir einen Lagerraum bekommen können! Super! Ein jeder unserer Leute im inneren Kreise des Vereins weiss, wie “leicht” es ist, so eine Zusage zu bekommen!

Der Mietvertrag für einen entsprechenden Lagerraum wurde dann auch direkt vor Ort fertig gemacht. Somit steht uns nun ein Lagerraum bei der Secur Lagerhaus Alsterkrugchaussee GmbH zur Verfügung.  Darin können wir unsere Dokumente, Zeichnungen und Unterlagen fachgerecht einlagern.

Somit sind wir unserem Ziel einen Schritt näher gekommen, unseren Hansi bald wieder fliegen zu lassen.

 Viele Grüsse von der Luftwerft

 NILS-BÄR, der SCHRAUbär :-)

Häns´chen klein…

Freitag, April 18th, 2008

Guten Tag zusammen,

gestern (Donnerstag, 17.04.) war ein Tag, an dem wir ein Angebot einer unserer neu gewonnenen Kontakte von der AIExpo (s.u.) wahrnehmen konnten.

Schon seit langem schlichen wir geistig mit begehrlichen Gedanken um ein Windkanalmodell des HANSA JET herum, das seit vielen Jahren an der Hallendecke der Lehrwerkstatt in Finkenwerder angebracht war.

Und nun war endlich unsere Stunde gekommen!

Nein, wir bekommen es nicht auf ewig, jedoch dürfen wir uns dieses Exemplar ausleihen, damit es durch die Mitarbeiter der Firma Möbius mittels Lasertechnik zur Reproduktion vermessen werden kann.

Was hoch oben an Hallendeckendecken klein und zierlich wirkt, kann bisweilen einen gänzlich anderen Eindruck hinterlassen, wenn man sich mit “Zollstock” und Gewichtsschätzung in die Nähe begibt.

Hier sprechen wir von einer Konstruktion, die mit aus Aluminium gefrästen Flächen und Gondeln sowie mit einer äusserst stabilen Rumpfkonstruktion aus Kunststoff auf diverse Kilogramm - geschätzt auf um und bei 90 kg gelangt… Die Spannweite beträgt mit Leichtigkeit über 190 cm.

Für den “was-mach-ich-hier-eigentlich”-Gedanken keine Zeit verschwendend, demontierte Kevin das Rundumlicht des Gabelstaplers, damit das Gerät überhaupt erst einmal in die Halle gelangen konnte.  Irgendwie zwischen dem Halleninventar hindurchmanövrierend hob Kevin das Modell schließlich aus seiner Verankerung.

Mit Hilfe eines 7,5-Tonners der Firma EuropCar und mit unserem Vereinsmitglied Dirk Schönberg am Ruder, konnten wir dieses sperrige Ungetüm nach der Verladung auf den Weg schicken.

Die Anlieferung bei der Firma Möbius verlief dann schnell und unkompliziert. Wiederum mit Gabelstapler bewaffnet, war das Modell im handumdrehen ausgeladen und sicher untergebracht.

Jetzt müssen die Mitarbeiter der Firma Möbius nur noch ein kleines Zeitfenster finden, die Vermessung durchzuführen!

Wie es dort weitergeht… wir werden es erfahren - und an dieser Stelle natürlich darüber berichten.

Alles Gute

EG

Lager Lager Du musst wandern…

Donnerstag, April 17th, 2008

Und ein fröhliches Hallo mal wieder,

zur Zeit vergeht scheinbar nicht ein einziger Tag ohne irgendwelche Sonderaktionen oder organisatorische Hürdenläufe…

In diesem vorgestrigen Fall traf es nun u.a. unser Mitglied Christoph Miersch!

Aber der Reihe nach:

Seit dem Jahr 2005 lagern nun schon unsere Zeichnungen und ein paar Ausrüstungsgegenstände bei einer Firma in Hamburg Poppenbüttel.

Doch - wie es heutzutage leider nun mal so häufig der Fall ist - musste der Betrieb eingestellt werden und somit auch unser Lager geräumt werden. Zunächst einmal hätte es gereicht, unsere dort gelagerten Gestelle und Schränke dort abzuholen und zum Flughafen zu bringen.

Doch Christoph hatte eine bessere Idee, und so verfrachtete er gleich die komplette Ladung inklusive unserer Zeichnungen (unzählige Kartons mit einem geschätzten Einzelgewicht von ca. 20 kg) mit Hilfe von Torsten Kremser mittels eines bereitgestellten Anhängers in die Obenhauptstraße.

Der Transporter war dort schließlich gelehrt und mit Torsten Kremser schon wieder auf dem Rückweg als diesem auffiel, daß sich noch ein paar Kartons mit Zeichnungen im Zugfahrzeug befanden…

Nein Christoph, noch keinen Feierabend! Also wieder umgedreht, um auch diese Kartons zu entladen.

Etwa zeitgleich klingelte mein Telefon im Büro, ein Anruf eines Vereinskollegen, sitzend bei Airbus mit dem Hinweis, man hätte heute einen VW-Bus mit Kartons (gefüllt mit Akten) zu unserem Lagerplatzsponsor in Poppenbüttel entsandt, die Ladung sei unter einem Vordach abgestellt worden, da niemand vor Ort anzutreffen gewesen sei…

Kein Wunder…

Nun denn, ein Anruf bei Christoph Miersch, der sich nun endlich seinem wohlverdienten Feierabend zuwenden wollte… Seine Gedanken konnte man förmlich durchs Telefon hören, dazu hätte es keine Worte bedurft! Also führte Christophs Weg zur Abwechslung einmal wieder nach Poppenbüttel - und siehe da, tatsächlich standen ein paar weitere Kartons unter einem Vordach in Sichtweite der Straße.

Diese Ladung passte gerade so eben in Christophs Wagen - die Kartons stehen nun bei Martin in unserem Behelfsbüro, das langsam aber sicher nur noch aus Papier besteht…

Dann warten wir einmal ab, was uns als nächstes erwartet - ich habe da schon so eine Vorahnung…

Eines bekommen wir jedenfalls nicht - lange Weile!

Schöne Grüße

EG

Fortsetzung - Teilesichtung

Mittwoch, Februar 13th, 2008

Klaus-Peter Trogisch mit einem Bericht über die am 09. Februar 2008 erfolgte erste Sichtung unserer HANSA JET Original-Ersatzteile auf dem Airbus-Gelände

Dies ist nun quasi die Fortsetzung von “…wir holen mal eben etwas ab….” unter der Rubrik “… kurz Teile sichten und umräumen …

Wie bereits berichtet, hatten einige hartgesottene Vereinsmitglieder vor den Weihnachtsfeiertagen 2007 in einem wirklichen “Kraftakt” zwei Lkw-Ladungen voll Material aus Lemwerder vor der drohenden Entsorgung gerettet.

Rückblick hier

Nun galt es den in einer Halle auf dem Airbus-Gelände Finkenwerder “zwischengelagerten” Fundus erstmalig grob zu sichten und umzuräumen.

Nils Borkheim, Ludolf Ungerer und ich (Klaus-Peter Trogisch) trafen uns also am Sonnabend um 9:00h am Haupteingang von Airbus, um dann von Kevin Girnth ins Werk geholt zu werden.

Noch am Abend zuvor hatte mir Kevin auf Befragen mitgeteilt, daß die Aktion wohl in drei Stunden erledigt sein könne (sehr dehnbare drei Stunden…)

Schnell einen Schlepper mit Großraum-Werksanhänger sowie einen Gabelstapler organisiert, und schon konnte es losgehen.

Nils und Kevin kannten den geborgenen Schatz ja bereits, und mir quollen die Augen über!

Auf diversen beidseitig beschickten Plastik-Schippen-Ständern (gemein auch als Schäfershop-Kästen bekannt) befanden sich tausende von Kleinteilen, wie sie in der Luftfahrt zur Geräteinstandsetzung üblich sind:

Nieten, Bolzen, Schrauben, Muttern, Dichtringe, Splinte, Hülsen, Buchsen, Kugel-Lager, Unterlegscheiben, Fittinge, Rohrverbinder, Sicherungsringe - soweit das Auge reicht! Bis die Teile komplett identifiziert sind, wird wohl nicht nur mein bereits weisser Bart heller sein, sondern sich wohl auch mein Haupthaar verabschiedet haben :-)

100_6197-450.JPG

100_6157-450.JPG
Sichtlagerkästen - soweit das Auge reicht!

Daneben “größere Einzelteile” wie Metall-Hydraulikleitungen, Stellzylinder, zwei komplette Bugfahrwerke, ein rechtes und linkes Hauptfahrwerk, diverse Gelenkwellen der berühmten Drehwellensteuerung der ohne Steuerseile fliegenden HFB 320, ein Rad und - last not least - ein komplettes Triebwerk GE CJ610-5.

100_6332-450.JPG
Ein CJ 610 auf dem originalen Wartungs- und Lagerwagen!

Herstellernamen wie “Automotive Products Ltd, Liverpool” (Bugfahrwerk), “Lockheed Precision Products Ltd” (Hauptfahrwerk), “Dunlop-England” (Räder), “STERER Los Angeles, California USA (div. Stellzylinder) sowie “SKYDROL (Ate Alfred Teves)” (Nitrogen Druck-Akkumulatoren) lassen das Herz höher schlagen.

100_6119-450.JPG

100_6121-450.JPG

100_6130-450.JPG
Eine schier unermessliche Menge Ersatzteile, die auf Erfassung wartet…

Wie kommt dieser Fundus zusammen?

Das Stichwort heißt ASL (Aircraft Services Lemwerder). Dort verblieb die Ausrüstung der Lehrwerkstatt, an der Mechaniker für die HFB320 HANSA JET ausgebildet wurden.

So befinden sich im Fundus nicht nur Neuteile, sondern auch “Gebraucht-Teile”, an denen eine Reparatur geübt werden konnte oder die auch mit nur minimalen Defekten den “Trainees” zur Untersuchung und dem Auffinden von Fehlern vorgelegt werden konnten.

Es findet sich beispielsweise eine Drehwelle, ausgebaut aus D-COSA, die eine “Rundlauf-Abweichung” aufweist! (… wer da wohl bei geöffneten Bodenplatten in der D-COSA wieder draufgelatscht sein mag??? )

Wie dem auch sei: Für uns sind diese Teile die absolute Goldgrube.

Darüber hinaus ist auch jede Menge Literatur vorhanden, meist Wartungshandbücher.

100_6214-450.JPG
Nur ein Teil der Dokumentation - die Darstellung würde den Rahmen sprengen

Mit einer 5-Megapix-Digitalkamera bewaffnet wurde jeder Schippen-Ständer beidseitig abfotografiert, um wenigstens einen Überblick über die Teile zu bekommen. Nächster Schritt wird dann ein genaues Zählen sein…

Mit dem vierachsigen Großraum-Werksanhänger zuckelten wir dann mehrmals über das Werksgelände, bis wir alles am neuen Standort hatten.

Für Nils, der auch einmal den Schlepper fuhr, wurden die Fahrwege zwischen den Gebäuden plötzlich zu ganz schmalen Gassen… In einer Kurve gelang es ihm nur dank der vorhandenen Randstein-Absenkung heil um die Ecke zu kommen!

Auch Elektro- und Gas-Stapler kamen zum Einsatz. Sonst hätten wir es niemals in den “drei Stunden” geschafft! ;-)

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Nachdem also nun alle Teile in besagten siebeneinhalb Stunden auf dem Airbus-Gelände von A nach B verbracht worden waren, ging es ans Flugzeuge gucken.

Ein Highlight ist dabei natürlich der A380 gewesen, dessen MSN 006 Singapore Airways demnächst auf der Strecke London-Heathrow - Singapur einsetzten wird und der zur Zeit noch die Kennung F-WWSC trägt.

Er wurde vor unserer Nase aus der Lärmschutzbox zur Parkposition geschleppt und dort abgetankt. Leider, leider (heul) gilt für diesen Flieger ein absolutes Fotografierverbot! - Seufz

Aber, die Supper Guppy Nr.3 (der auf Basis der Boeing 377 Stratocruizer entstandene Großraumtransporter und Vorgänger des Belugas) entschädigte dafür und war mir als Technik-Freak ein besonderer Leckerbissen.

100_6471-450.JPG
Suchbild: Wo ist das nächste Ojekt, das man wieder flugfähig machen müsste?

Ein immer wieder gerne gesehenes Fotomotiv ist und bleibt natürlich der HANSA JET, der auf dem Airbus-Gelände in Form der D-CARA vertreten ist. Auch hier allerdings nur bedingt zu Fotografieren, da besagter A380 sonst immer im Bild gewesen wäre…

Gegen 19:00h war dann auch das Licht fast verschwunden, so daß die gute alte NORA nicht mehr im besten Lichte stand, ebensowenig wie der Beluga Nr. 5.

Letzterer macht seinem Namen alle Ehre: Er ist völlig weiß!

Die Nr.5 war ursprünglich als “Special Transport” zum Verchartern für besondere Transportaufgaben auch an Nicht-Airbus-Kunden gedacht. Dabei wäre eine Airbus-Industries-Bemalung u.U. hinderlich gewesen, so daß man für diesen einen, besonderen Beluga eine Sonderlackierung vorgesehen hatte. Dies wurde allerdings bis heute nicht verwirklicht, so daß der Vogel nun buchstäblich als weißer Wal herumfliegt.

dietruppedesmonats0802.jpg
Wer ist der Lauteste und Durstigste auf dem Foto?

Tja, und zu guter Letzt wurden auch noch einmal die Techniker gefragt…..

Eines der Fahrzeuge unserer kleinen Crew versagte, und es musste Starthilfe gegeben werden. Die Batterie hat nach nur 15 Jahren schon den Geist aufgegeben… :-)

Glücklich und zufrieden in dem Bewusstsein, wieder einen ganz kleinen Schritt in Richtung Endziel für unseren “Hansi” getan zu haben, fuhren wir nach hause.

Klaus-Peter Trogisch

Kommentar vom Admin:

Weitere Fotos dieser Aktion werden noch eingebunden, ausführliche Darstellungen aller geborgener Schätze wird an anderer Stelle auf unserer Internetseite beizeiten zu finden sein.