Ein Bericht von Kevin Girnth zur Abholung uns angebotener HANSA JET Original-Ersatzteile am 21. Dezember 2007
Als ich Nils, der gerade aus der Nachtschicht kam, morgens um 7.30 abholen wollte, war das erste Problem, das es zum ersten mal so richtig geschneit hatte.
Also war ich, obwohl auch schon seit um 5.00 Uhr wach, schon mal spät dran. Je näher wir uns nach Lemwerder gepirscht haben, desto dichter wurde der Schnee und die Landschaft wurde deutlich weißer.

Lemwerder bietet leider ein Bild des Trauers. Nichts ist bedrückender als ein LTB, der völlig Leer steht. Alle Gebäude befinden sich in traurigem Zustand, zumindest von aussen. Kein Flugzeug weit und breit. Kein Betrieb.
Die alte Ausbildungswerkstatt, aus der wir die Teile abholen sollten, war ein alter Flachdachbau, der schon viele Generationen von Mechanikern und Flugzeugbauern kommen und gehen gesehen hat. Nun ist alles in verfallenem Zustand aber voll mit Schätzen der aviatischen Vergangenheit.
Nils und ich hatten lediglich die Info, dass wir ein paar Fahrwerke abholen können, ein paar Actuatoren vielleicht und ein paar Schäferkästen mit Teilen.
“ein paar…”
Was sich uns dann letzlich darbot, glich eher einer Goldgrube.
In Automobilkreisen würde man wohl sagen, man hätte einen zwar eingestaubten, aber rostfreien und originalen Bugatti in der Scheune gefunden und der Besitzer wollte das Ding für’n Kasten Bier loswerden!!!!

Ein Eldorado das wir “kurz vor Zwölf” gefunden und geborgen haben!
Viele Regalreihen mit Sichtlagerkästen gefüllt mit wertvollsten HFB-Originalteilen. Umlenkhebelchen, Drehwellen, Passbolzen, Kugellager, Winkelgetriebe und und und! Und vielfach sogar mit Zertifikaten und Anhängern!!!!

Nun wurde uns sofort klar, dass das alles nicht in den Sprinter passt. Was nun? Wir schlugen erstmal vor zu selektieren, was wir als erstes mitnehmen könnten, aber man gab uns sehr vorsichtig zu verstehen, dass es keine Alternative gäbe und alles heute weg müsse. So oder so.
Was tun? Schnell bei Europcar einen 7.5t LKW organisieren. Den letzten Erhältlichen gab es in Bremen. Also die Hühner gesattelt und nach Bremen, LKW geholt und zurück nach Lemwerder.
Wieder angekommen, stellte sich ein neues Problem:
Die Regale passten zwar auf einen Hubwagen, aber die Hallentore waren zu niedrig, b.z.w. die Regale waren zu hoch.
Einzige Lösung: Setzkästen raus aus den Regalen, Regalständer durch das Fenster hinaus auf die Ladebordwand, Regale aufstellen und die Sätzkästen wieder einhängen. Danach das jeweilige Regal bis nach vorn auf den LKW schieben.
Angesichts der Bilder kann man sich vorstellen, wie viel Mühe es gemacht hat, diese Herkulesarbeit mit nur zwei Leuten zu bewältigen - allerdings mit zwei bis in die Haarspitzen motivierten HFBlern, die nicht willens waren, auch nur ein Teil dort liegen zu lassen!


Nach gut 3-4 Stunden war das erledigt und das Verladen der der Fahrwerke und anderen Großkomponenten war dagegen das reinste Kinderspiel.

Zum Schluß lenkte man unsere Aufmerksamkeit noch auf den Fundus an Dokumentation von verschiedenen Herstellern. Zum einen natürlich HFB320-bezogen, zum anderen dürfte ein weiteres Vereinsmitglied freudig überrascht sein. Dornier ist in Lemwerder auch nicht gänzlich unbekannt! Zu unserer Überraschung fanden sich sogar noch Handbücher für unsere Triebwerke.
Wir haben einfach mitgenommen, was die Ladekapazität hergegeben hat. Und der 7,5-Tonner war bis an die Laderampe voll. Ebenso der Sprinter.
Ich darf resümieren, das ich am liebsten einen 40-Tonner-Sattelzug geholt hätte, denn ich fürchte, daß viele schöne Teile und Dokumentationen nun im Altmetall landen werden. Die Fotos geben einen kleinen Aufschluss darüber.
Die Rückfahrt gestaltete sich relativ problemlos, bis zu dem Moment, in dem ich mit dem LKW durch einen unachtsamen Autofahrer ausgebremst wurde. Ich hörte im Laderaum einen unangenehmen dumpfen Schlag, der mir ins Ohr flüsterte, dass nun einige Flugzeugteile mitsamt Lagerkästen der Schwerkraft gefolgt sind.
Ich habe geflucht wie ein Kesselflicker!
Der Rest der Fahrt verlief ruhig. Wir hatten das gute Gewissen, einen für unsere Verhältnisse unbezahlbaren Schatz gehoben zu haben. Das Abladen der Fracht gestaltete sich um vieles einfacher als das Beladen.
Auch waren nicht so viele Materialen durcheinander gepurzelt wie befürchtet. Allerdings müssen nun einige Teile neu sortiert werden, da die Zuordnung nun ziemlich gelitten hat.

Aber das wird schon noch… wir haben schon schlimmeres gemeistert!
Nun steht unser Fundus gut gesichert und trocken gelagert. Nachdem diese Arbeit erledigt war, alles abgeladen, einsortiert und für gut befunden wurde, machten wir uns um 23.00 uhr auf den Weg, den LKW bei Europcar abzugeben.
Um 0.30 war ich endlich im Bett.
Ich glaube das sowohl Nils, als auch Eckhard und auch ich gut schlafen konnten, denn wir haben Luftfahrthistorie gesichert. Mit viel Spontanität, Einfallsreichtum und jeder Menge Enthusiasmus, der uns vor allem zu später Stunde noch wachgehalten und vorangetrieben hat.


Derjenige, der den Wert auch nur einer einzigen für die Luftfahrt zugelassenen Unterlegscheibe kennt, wird die hier geborgenen Werte besonders zu schätzen wissen.
Und hier gilt vor allem ein unbedingter Dank an Herrn Ammermann von Aircraft Service Lemwerder (ASL) der das alles erst ermöglicht hat, Eckhard für die Bewältigung der Herausforderung, am Freitag (generell ein Tag der höchsten Auslastung bei Autovermietern) einen LKW zu organisieren sowie unsere beiden geduldigen und verständnisvollen Frauen/Feundinnen, die länger auf uns warten mussten als geplant.
Kevin