Klaus-Peter Trogisch mit einem Bericht über die am 09. Februar 2008 erfolgte erste Sichtung unserer HANSA JET Original-Ersatzteile auf dem Airbus-Gelände
Dies ist nun quasi die Fortsetzung von “…wir holen mal eben etwas ab….” unter der Rubrik “… kurz Teile sichten und umräumen …”
Wie bereits berichtet, hatten einige hartgesottene Vereinsmitglieder vor den Weihnachtsfeiertagen 2007 in einem wirklichen “Kraftakt” zwei Lkw-Ladungen voll Material aus Lemwerder vor der drohenden Entsorgung gerettet.
Rückblick hier
Nun galt es den in einer Halle auf dem Airbus-Gelände Finkenwerder “zwischengelagerten” Fundus erstmalig grob zu sichten und umzuräumen.
Nils Borkheim, Ludolf Ungerer und ich (Klaus-Peter Trogisch) trafen uns also am Sonnabend um 9:00h am Haupteingang von Airbus, um dann von Kevin Girnth ins Werk geholt zu werden.
Noch am Abend zuvor hatte mir Kevin auf Befragen mitgeteilt, daß die Aktion wohl in drei Stunden erledigt sein könne (sehr dehnbare drei Stunden…)
Schnell einen Schlepper mit Großraum-Werksanhänger sowie einen Gabelstapler organisiert, und schon konnte es losgehen.
Nils und Kevin kannten den geborgenen Schatz ja bereits, und mir quollen die Augen über!
Auf diversen beidseitig beschickten Plastik-Schippen-Ständern (gemein auch als Schäfershop-Kästen bekannt) befanden sich tausende von Kleinteilen, wie sie in der Luftfahrt zur Geräteinstandsetzung üblich sind:
Nieten, Bolzen, Schrauben, Muttern, Dichtringe, Splinte, Hülsen, Buchsen, Kugel-Lager, Unterlegscheiben, Fittinge, Rohrverbinder, Sicherungsringe - soweit das Auge reicht! Bis die Teile komplett identifiziert sind, wird wohl nicht nur mein bereits weisser Bart heller sein, sondern sich wohl auch mein Haupthaar verabschiedet haben


Sichtlagerkästen - soweit das Auge reicht!
Daneben “größere Einzelteile” wie Metall-Hydraulikleitungen, Stellzylinder, zwei komplette Bugfahrwerke, ein rechtes und linkes Hauptfahrwerk, diverse Gelenkwellen der berühmten Drehwellensteuerung der ohne Steuerseile fliegenden HFB 320, ein Rad und - last not least - ein komplettes Triebwerk GE CJ610-5.

Ein CJ 610 auf dem originalen Wartungs- und Lagerwagen!
Herstellernamen wie “Automotive Products Ltd, Liverpool” (Bugfahrwerk), “Lockheed Precision Products Ltd” (Hauptfahrwerk), “Dunlop-England” (Räder), “STERER Los Angeles, California USA (div. Stellzylinder) sowie “SKYDROL (Ate Alfred Teves)” (Nitrogen Druck-Akkumulatoren) lassen das Herz höher schlagen.



Eine schier unermessliche Menge Ersatzteile, die auf Erfassung wartet…
Wie kommt dieser Fundus zusammen?
Das Stichwort heißt ASL (Aircraft Services Lemwerder). Dort verblieb die Ausrüstung der Lehrwerkstatt, an der Mechaniker für die HFB320 HANSA JET ausgebildet wurden.
So befinden sich im Fundus nicht nur Neuteile, sondern auch “Gebraucht-Teile”, an denen eine Reparatur geübt werden konnte oder die auch mit nur minimalen Defekten den “Trainees” zur Untersuchung und dem Auffinden von Fehlern vorgelegt werden konnten.
Es findet sich beispielsweise eine Drehwelle, ausgebaut aus D-COSA, die eine “Rundlauf-Abweichung” aufweist! (… wer da wohl bei geöffneten Bodenplatten in der D-COSA wieder draufgelatscht sein mag??? )
Wie dem auch sei: Für uns sind diese Teile die absolute Goldgrube.
Darüber hinaus ist auch jede Menge Literatur vorhanden, meist Wartungshandbücher.

Nur ein Teil der Dokumentation - die Darstellung würde den Rahmen sprengen
Mit einer 5-Megapix-Digitalkamera bewaffnet wurde jeder Schippen-Ständer beidseitig abfotografiert, um wenigstens einen Überblick über die Teile zu bekommen. Nächster Schritt wird dann ein genaues Zählen sein…
Mit dem vierachsigen Großraum-Werksanhänger zuckelten wir dann mehrmals über das Werksgelände, bis wir alles am neuen Standort hatten.
Für Nils, der auch einmal den Schlepper fuhr, wurden die Fahrwege zwischen den Gebäuden plötzlich zu ganz schmalen Gassen… In einer Kurve gelang es ihm nur dank der vorhandenen Randstein-Absenkung heil um die Ecke zu kommen!
Auch Elektro- und Gas-Stapler kamen zum Einsatz. Sonst hätten wir es niemals in den “drei Stunden” geschafft!
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Nachdem also nun alle Teile in besagten siebeneinhalb Stunden auf dem Airbus-Gelände von A nach B verbracht worden waren, ging es ans Flugzeuge gucken.
Ein Highlight ist dabei natürlich der A380 gewesen, dessen MSN 006 Singapore Airways demnächst auf der Strecke London-Heathrow - Singapur einsetzten wird und der zur Zeit noch die Kennung F-WWSC trägt.
Er wurde vor unserer Nase aus der Lärmschutzbox zur Parkposition geschleppt und dort abgetankt. Leider, leider (heul) gilt für diesen Flieger ein absolutes Fotografierverbot! - Seufz
Aber, die Supper Guppy Nr.3 (der auf Basis der Boeing 377 Stratocruizer entstandene Großraumtransporter und Vorgänger des Belugas) entschädigte dafür und war mir als Technik-Freak ein besonderer Leckerbissen.

Suchbild: Wo ist das nächste Ojekt, das man wieder flugfähig machen müsste?
Ein immer wieder gerne gesehenes Fotomotiv ist und bleibt natürlich der HANSA JET, der auf dem Airbus-Gelände in Form der D-CARA vertreten ist. Auch hier allerdings nur bedingt zu Fotografieren, da besagter A380 sonst immer im Bild gewesen wäre…
Gegen 19:00h war dann auch das Licht fast verschwunden, so daß die gute alte NORA nicht mehr im besten Lichte stand, ebensowenig wie der Beluga Nr. 5.
Letzterer macht seinem Namen alle Ehre: Er ist völlig weiß!
Die Nr.5 war ursprünglich als “Special Transport” zum Verchartern für besondere Transportaufgaben auch an Nicht-Airbus-Kunden gedacht. Dabei wäre eine Airbus-Industries-Bemalung u.U. hinderlich gewesen, so daß man für diesen einen, besonderen Beluga eine Sonderlackierung vorgesehen hatte. Dies wurde allerdings bis heute nicht verwirklicht, so daß der Vogel nun buchstäblich als weißer Wal herumfliegt.

Wer ist der Lauteste und Durstigste auf dem Foto?
Tja, und zu guter Letzt wurden auch noch einmal die Techniker gefragt…..
Eines der Fahrzeuge unserer kleinen Crew versagte, und es musste Starthilfe gegeben werden. Die Batterie hat nach nur 15 Jahren schon den Geist aufgegeben…
Glücklich und zufrieden in dem Bewusstsein, wieder einen ganz kleinen Schritt in Richtung Endziel für unseren “Hansi” getan zu haben, fuhren wir nach hause.
Klaus-Peter Trogisch
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Kommentar vom Admin:
Weitere Fotos dieser Aktion werden noch eingebunden, ausführliche Darstellungen aller geborgener Schätze wird an anderer Stelle auf unserer Internetseite beizeiten zu finden sein.