Und wieder geht ein Teil Hamburgs …
Samstag, Januar 24th, 2009… in den Hochofen.
Guten Abend zusammen,
in diesen Tagen spielen sich in einigen Ämtern, in verschiedenen Enthusiastengruppen und vor allem bei den Initiatoren für ein besonderes Projekt Dramen ab, die man von aussen wohl nur bedingt nachempfinden kann.
Es war einmal im Jahr 1968, als im Auftrag der Deutschen Atlantic Linie bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG die TS HAMBURG vom Stapel lief.
Doch schon im Jahr 1973 geriet die DAL in Insolvenz, die TS HAMBURG stand zum Verkauf und wurde schließlich von der sovjetischen Staatsreederei SOVKOMFLOT über amerikanische Strohmänner erworben.
Als Maxim Gorkiy wurde sie dann ab 1974 ohne Unterbrechung bis zum Jahr 2008 eingesetzt. Letzter Charterer war Phoenix Reisen in Bonn.
Zum wirtschaftlichen Verhängnis wurde diesem Schiff der Dampfturbinenantrieb, der mit seinem sagenhaften Brennstoffkonsum nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war/ist.
Aus diesem Grunde wurde dieses Schiff nun zum Verkauf angeboten - und von einem indischen Verwerter erworben.
Eine in Hamburg gegründete Initiative versucht(e) nun bis zum letzten Moment, eine Verwendung als Hotel- und Kongress-Schiff mit einem dauerhaften Liegeplatz in der Hansestadt konzeptionell einzubringen und bemühte sich dabei um Investoren und Genehmigungen.
Noch bis vor kurzem schien dieser Plan allein an den aufzubringenden ca. 4 Mio $US zu scheitern, jedoch sind nun Investoren gefunden, die diese Summe sowie die Folgekosten tragen können - und würden, wenn den seitens Hamburg eine Liegeplatzgarantie gäbe.
Sehr zur Überaschung aller wurde dieser Wunsch aber nun ausgeschlagen. Hamburg, genauer gesagt das “Strom- und Hafenamt” oder auf Neudeutsch “Hamburg Portauthority” (denn man leidet in Hamburgs Ämtern bisweilen auch am Verlust der Muttersprache) sieht sich nicht im Stande und ist auch nicht gewillt, für dieses Projekt einen Liegeplatz bereitzustellen.
Dabei bleibt völlig unbeachtet, daß hier ein tragfähiges Konzept vorliegt, bei dem mehrere Hundert Langzeit-Arbeitsplätze entstehen, garantierte Steuereinnahmen anstehen, ein weiteres Wahrzeichen ohne großen Aufwand installiert werden kann und damit in dieser bescheidenen Zeit ein deutliches Zeichen gesetzt würde.
So scheitert wohl im letzten Moment die Rettung dieses einmaligen Schiffes zugunsten eines Verschrottungsbetriebes in Indien, der in wenigen Wochen die Maxim Gorkiy auf dem Strand von Alang von unterbezahlten und schlecht ausgestatteten Arbeitern zerlegen lässt.
Übrig bleiben wird ein großer schmieriger Ölfleck, der langsam von der Tide in den indischen Ozean gewaschen wird.
Es ist nicht nur ein Jammer, sondern auch mal wieder eine bezeichnende Haltung der verantwortlichen Personen. Wir leisten uns in dieser Stadt lieber weiterhin bodenlose Fässer wie die Elbphilharmonie und treten einmalige Gelegenheiten dieser Art mit Füßen.
Eine Schande!
Und hier nun ein paar Aufnahmen der “TS HAMBURG” bzw. “MAXIM GORKIY”, damit wir sie nicht vergessen:

Unweit des HFB-Geländes in Finkenwerder wurde sie gebaut

Den Namen HAMBURG trug sie leider nur wenige Jahre
Das heutige Erscheinungsbild
Bedauernde Grüße
EG

